Warum so viele Leute "Abzocke" googeln
Tipp den Begriff bei Google ein, und die Vorschläge heißen "Erfahrungen", "fake", "Abzocke". Das passiert nicht bei Buchhaltern oder Elektrikern. Es passiert, wenn zwei verschiedene Dinge denselben Namen tragen.
Das eine ist ein Beruf: Du führst Verkaufsgespräche für Anbieter mit hochpreisigen Angeboten und wirst am Abschluss beteiligt. Das andere ist ein Markt aus Kursen, Coachings und Communities, die diesen Beruf verkaufen.
Der Beruf ist real. Ein Teil der Angebote drumherum ist es nicht. Wer beides nicht auseinanderhält, hält entweder alles für seriös oder alles für Betrug – und beides führt in die Irre.
Was ein High Ticket Closer tatsächlich macht
Ein Closer führt das Abschlussgespräch. Der Interessent ist zu diesem Zeitpunkt schon vorqualifiziert – meist durch einen Setter, also jemanden, der Anfragen prüft und Termine vereinbart. Deine Aufgabe ist das Gespräch, in dem die Kaufentscheidung fällt.
"High Ticket" beschreibt den Preis des Angebots, nicht deine Qualifikation. Als Faustregel gilt der vierstellige Bereich aufwärts. Darunter lohnt sich ein persönliches Verkaufsgespräch für den Anbieter selten.
Bezahlt wirst du über Provision, üblicherweise als Prozentsatz des Abschlusses. Kein Fixgehalt, kein garantiertes Einkommen – dafür keine Obergrenze und keine Anwesenheitspflicht.
Wer verdient an dir, wer verdient mit dir
Das ist die einzige Frage, die du bei jedem Angebot stellen musst. Sie trennt seriös von unseriös zuverlässiger als jedes Bauchgefühl.
| Verdient mit dir | Verdient an dir | |
|---|---|---|
| Einnahmequelle | Anteil an deinen Abschlüssen | Deine Kursgebühr |
| Interesse | Dass du abschließt | Dass du dich anmeldest |
| Zahlungsrichtung | Geld fließt zu dir | Geld fließt von dir |
| Erfolg messbar an | Deinem Umsatz | Der Teilnehmerzahl |
Ein Anbieter, der an deinen Abschlüssen verdient, hat ein Eigeninteresse daran, dass du gut wirst und Mandate bekommst. Ein Anbieter, der an deiner Kursgebühr verdient, hat sein Geld schon, bevor du dein erstes Gespräch führst.
Das heißt nicht, dass jede bezahlte Weiterbildung unseriös ist. Es heißt: Solange du zahlst, bist du der Kunde – nicht der Vertriebler.
Sieben Warnsignale
Keins davon ist für sich ein Beweis. Zwei oder mehr zusammen sind ein Stoppsignal.
- Du sollst zahlen, bevor du verdienst. Ein Mandat, das dich Geld kostet, ist kein Mandat.
- Es geht um Einkommen, bevor es um das Produkt geht. Wer dir nicht in zwei Sätzen sagen kann, was verkauft wird, hat nichts zu verkaufen.
- Screenshots statt Referenzen. Kontoauszüge und Dashboard-Bilder sind kein Nachweis. Ein Gespräch mit einem echten Auftraggeber schon.
- Künstliche Dringlichkeit. "Nur noch drei Plätze", "der Preis steigt morgen". Ein Unternehmen, das Vertriebler sucht, arbeitet nicht mit Verknappung gegen Bewerber.
- Du bekommst Zugang zu einer Community, nicht zu Kunden. Ein Gruppenchat ersetzt keine Termine.
- Keine schriftliche Provisionsvereinbarung. Wenn Prozentsatz, Bemessungsgrundlage und Auszahlungszeitpunkt nicht schriftlich stehen, existieren sie nicht.
- Der Lebensstil ist das Argument. Autos, Reisen und Laptops am Strand sagen nichts über das Angebot aus, für das du verkaufen sollst.
Woran du ein echtes Mandat erkennst
Die Gegenprobe ist unspektakulär – und genau das ist der Punkt.
- Der Auftraggeber ist ein Unternehmen mit Impressum, Produkt und auffindbaren Kunden.
- Du kannst das Angebot in einem Satz erklären, nachdem du die Website gelesen hast.
- Die Provision steht schriftlich: Prozentsatz oder Betrag, worauf sie sich bezieht, wann sie ausgezahlt wird, was bei Stornierung passiert.
- Du bekommst Zugang zu Terminen oder Leads, nicht zu Lernmaterial.
- Im Gespräch geht es um Passung: welche Branche du kennst, wie du am Telefon klingst, wie du mit Einwänden umgehst.
- Niemand verlangt Vorkasse – weder für Onboarding noch für Software noch für einen Platz im Pool.
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Was du realistisch verdienen kannst
Ehrliche Antwort: Das kann dir niemand seriös sagen – wir auch nicht.
Dein Verdienst hängt an drei Dingen: dem Preis des Angebots, der Qualität der Leads und deiner Abschlussquote. Zwei davon bestimmt der Auftraggeber, nicht du.
Deshalb ist die wichtigste Frage im Erstgespräch nicht "Wie viel kann ich verdienen?", sondern "Wie viele qualifizierte Termine bekomme ich pro Woche, und woher kommen sie?" Ein guter Closer mit fünf schwachen Terminen verdient weniger als ein durchschnittlicher mit zwanzig guten.
Die Vergütung ist meist so aufgebaut: Closer erhalten einen Prozentsatz des Abschlusses. Setter werden pro qualifiziertem Termin vergütet oder anteilig an dem Abschluss beteiligt, den sie vorbereitet haben.
Wenn dir jemand eine konkrete Zahl verspricht, bevor er dein Produkt, deine Leads und deine Quote kennt, verkauft er dir etwas.
Ohne Vertriebserfahrung anfangen
Der übliche Weg führt nicht direkt zum Closer. Er führt über den Setter.
Als Setter prüfst du eingehende Anfragen, stellst Qualifizierungsfragen und vereinbarst Termine für den Closer. Du lernst dabei genau das, was später zählt: Gesprächsführung, Umgang mit Ablehnung und die Disziplin, nachzufassen, wenn niemand zuschaut.
Was tatsächlich hilft: zuhören können, strukturiert nachfassen, Einwände nicht persönlich nehmen. Was nicht nötig ist: ein Zertifikat, ein Abschluss oder ein bezahlter Kurs.
Ein Hinweis zur Erwartung: Die ersten Wochen sind selten profitabel. Provision heißt, dass du in Vorleistung gehst – mit Zeit statt mit Geld. Wer das einkalkuliert, hält länger durch als jemand, der nach zwei Wochen ohne Abschluss aufgibt.
Setter-Rollen sind der übliche Einstieg. Viele davon remote.
Die Fünf-Minuten-Prüfung vor jedem Gespräch
Bevor du irgendwo ein Erstgespräch vereinbarst, geh diese fünf Punkte durch. Es dauert fünf Minuten und erspart dir womöglich Wochen.
- Impressum suchen. Gibt es eine Firma, eine Adresse, einen Verantwortlichen? Wenn nein: fertig.
- Das Produkt suchen. Kannst du es kaufen oder wenigstens einen Preis finden? Ein Angebot, das nur im Gespräch existiert, ist ein Warnzeichen.
- Nach der Provision fragen – schriftlich, per Nachricht. Wer jetzt ausweicht, weicht später auch aus.
- Nach Vorkosten fragen. Die einzige akzeptable Antwort ist null.
- Nach einer Referenz fragen. Ein Anbieter mit aktiven Closern kann dir einen nennen.
Und danach: Schlaf eine Nacht darüber. Kein echtes Mandat verfällt über Nacht.
Häufig gestellte Fragen
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